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Zaunarten & Material

Jägerzaun: Aufbau, Kosten und die ehrliche Rechnung

Kurz beantwortet

Jägerzaun im Überblick: warum er nur acht bis zwölf Jahre hält, was er über die Lebensdauer wirklich kostet und für wen er trotzdem passt.

Zuletzt geprüft am 11. August 2026 6 Min. Lesezeit

Jägerzaun

Ein Jägerzaun ist mit 35 bis 48 Euro je Meter der günstigste Holzzaun überhaupt — und der mit der kürzesten Standzeit. Acht bis zwölf Jahre, dann steht der Neuaufbau an. Über zwanzig Jahre gerechnet ist er damit teurer als ein Staketenzaun, der einmal steht und nie gestrichen wird.

Diese Übersicht klärt Aufbau, Grenzen und die Frage, für wen er trotzdem die richtige Wahl ist. Der Vergleich aller Bauarten steht unter Zaunarten im Vergleich.

Das Wichtigste in Kürze

Material je lfm
35 bis 48 Euro
Standzeit
8 bis 12 Jahre
Übliche Höhen
60 bis 120 cm
Elementbreite
1,80 bis 2,50 m
Pflege
Anstrich alle 2 bis 3 Jahre
Montage 20 m
1 Wochenende

Was ist ein Jägerzaun?

Ein Zaun aus gespaltenen Halbrundlatten, die sich überkreuzen und an den Kreuzungspunkten vernagelt oder verdrahtet sind. Weil sich die Kreuzung wie eine Schere bewegen lässt, heißt er auch Scherenzaun.

Genau diese Beweglichkeit ist sein praktischer Vorteil: Du kannst das Element etwas zusammenschieben oder auseinanderziehen. Dabei ändert sich die Breite und gegenläufig die Höhe. Ein Feld lässt sich so um zehn bis fünfzehn Zentimeter anpassen, ohne etwas zu schneiden.

Verkauft wird er als fertiges Element, meist 1,80 bis 2,50 Meter breit. Das Holz ist fast immer imprägnierte Fichte oder Kiefer.

Jägerzaun aus gekreuzten Halbrundlatten an einer Grundstücksgrenze
Die gekreuzten Latten lassen sich wie eine Schere bewegen – daher der zweite Name Scherenzaun.

Warum hält er nur acht bis zwölf Jahre?

Drei Gründe kommen zusammen, und keiner davon lässt sich wegkaufen.

Das Holz. Fichte und Kiefer liegen in einer schlechten Dauerhaftigkeitsklasse. Ohne Imprägnierung wären sie im Außenbereich unbrauchbar, mit Imprägnierung erreichen sie zehn bis vierzehn Jahre — als Latte über dem Boden. Details unter Gartenzaun Holz.

Die Spaltform. Halbrunde Latten haben eine flache und eine runde Seite. Auf der flachen Seite steht Wasser, statt abzulaufen — anders als bei einer gehobelten Latte mit abgeschrägter Kante.

Die Kreuzungspunkte. Wo zwei Latten aufeinanderliegen, bleibt Feuchtigkeit in der Fuge. Bei einem Jägerzaun gibt es davon Dutzende je Feld. Genau dort beginnt die Fäulnis, und dort kommt kein Anstrich hin.

Der letzte Punkt ist auch der Grund, warum das Streichen beim Jägerzaun mühsamer ist als bei jedem anderen Holzzaun: viele Kanten, viele Überlappungen, viel Fläche für wenig Meter.

Was kostet er über die Lebensdauer?

Der Kaufpreis täuscht. Hier die Rechnung über zwanzig Jahre für zwanzig Meter Zaun:

Jägerzaun Staketenzaun Kastanie
Material beim Bau 700–960 € 760–1.100 €
Neubau nach 10 Jahren 700–960 € entfällt
Anstrich, 7× 350–560 € entfällt
Arbeitszeit Anstrich rund 7 Tage keine
Summe über 20 Jahre 1.750–2.480 € 760–1.100 €

Preise Stand August 2026, ohne Fundamente. Der Staketenzaun aus Edelkastanie kostet beim Kauf mehr und über die Zeit deutlich weniger — mehr dazu unter Staketenzaun.

🔧 Aus der Praxis: Wenn es der Jägerzaun sein soll, streich ihn vor der Montage liegend auf zwei Böcken. Am aufgestellten Zaun kommst du an die Rückseiten der Kreuzungen nicht heran, und genau dort fängt die Fäulnis an. Liegend erreichst du sie mit dem Pinsel in zehn Minuten je Feld.

Für wen lohnt er sich?

Für drei Fälle ist er die richtige Wahl, und in allen dreien zählt der Kaufpreis mehr als die Standzeit.

Als vorübergehende Lösung. Auf einem Baugrundstück, bei einer geplanten Umgestaltung, als Übergang bis zur Hecke — dort spielt die Zehnjahresrechnung keine Rolle.

Bei sehr langen Strecken mit kleinem Budget. Bei hundert Metern macht der Meterpreis den Unterschied, und der Aufwand für einen dauerhaften Zaun wäre erheblich.

Aus optischen Gründen. In ländlicher Umgebung ist der Jägerzaun ortstypisch, und manche Gestaltungssatzung nennt ihn ausdrücklich. Was in deiner Gemeinde gilt, klärt der Beitrag zum Zaunrecht.

Wann passt er nicht?

Als Sichtschutz. Die gekreuzten Latten lassen große Rautenlücken. Selbst bei engster Stellung bleibt er halbtransparent. Für Blickdichtheit siehe Sichtschutzzaun-Arten.

Bei Kleintieren. Die Rautenöffnungen sind unregelmäßig und stellenweise überraschend groß. Für Hunde und Katzen ist er ungeeignet, siehe Hundezaun.

In Kinderhöhe. Die oberen Lattenenden laufen spitz zu. Bei niedrigen Zäunen liegen sie genau dort, wo ein Kind hinfällt. Wenn es ein Jägerzaun sein soll, dann mit abgerundeten oder gekappten Enden.

Welche Höhe und welches Element?

Im Handel sind vier Höhen üblich, und die Elementbreite hängt daran.

Höhe Elementbreite Typischer Einsatz
60–70 cm 2,00–2,50 m Vorgarten, Beeteinfassung
80–90 cm 1,80–2,20 m Grundstücksgrenze
100 cm 1,80–2,00 m Standard
120 cm 1,80 m Maximum im Handel

Beachte den Zusammenhang: Je höher das Element, desto schmaler wird es bei gleicher Lattenzahl. Wer beim Kauf nur auf die Höhe schaut, braucht am Ende mehr Pfosten als gerechnet.

Ab 1,20 Metern gibt es keine Jägerzaun-Elemente mehr, weil die Konstruktion zu weich wird. Für höhere Zäune bleiben andere Bauarten, siehe Lattenzaun.

Wie montierst du ihn?

  1. Elementbreite prüfen und die Pfostenpositionen danach einteilen, nicht umgekehrt.
  2. Pfosten setzen, mindestens 80 Zentimeter tief. Bis 1,20 Metern Höhe reicht eine Einschlagbodenhülse, siehe auch Zaunpfosten befestigen.
  3. Element liegend streichen, alle Seiten, besonders die Kreuzungen.
  4. Element anhalten und durch leichtes Schieben auf das Feldmaß bringen.
  5. Oben und unten verschrauben, an mindestens zwei Latten je Seite.
  6. Bodenfreiheit einhalten, fünf bis zehn Zentimeter.

Verschraube nicht in die Kreuzungspunkte — dort sitzt bereits ein Nagel, und das Holz spaltet. Setz die Schraube dazwischen an.

⚠️ Vier Fehler beim Jägerzaun:

  • Erst nach der Montage gestrichen. Die Kreuzungen bleiben unbehandelt, dort beginnt die Fäulnis.
  • Bodenfreiheit vergessen. Die untere Latte verrottet als Erstes und zieht den Rest mit.
  • In die Kreuzung geschraubt. Das Holz spaltet an der Stelle, an der schon ein Nagel sitzt.
  • Spitze Enden in Kinderhöhe belassen. Bei niedrigen Zäunen ein echtes Verletzungsrisiko.

Die Dauerhaftigkeitsklassen der Hölzer führt das Deutsche Institut für Normung in DIN EN 350. Wie stark Holzpreise schwanken, zeigt der Baupreisindex des Statistischen Bundesamts. Beim Zuschnitt gelten die Regeln der Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft.

Häufige Fragen

Wie lange hält ein Jägerzaun?

Acht bis zwölf Jahre. Die kurze Standzeit kommt aus drei Faktoren: imprägniertes Weichholz, die flache Spaltseite, auf der Wasser steht, und die vielen Kreuzungspunkte, in denen Feuchtigkeit bleibt.

Was kostet ein Jägerzaun pro Meter?

35 bis 48 Euro Material bei einem Meter Höhe. Über zwanzig Jahre gerechnet kommen Neubau und sieben Anstriche dazu, sodass er teurer wird als ein Staketenzaun aus Edelkastanie.

Kann ich die Höhe eines Jägerzauns anpassen?

In Grenzen ja. Weil sich die gekreuzten Latten wie eine Schere bewegen, lässt sich ein Element zusammenschieben oder auseinanderziehen. Zehn bis fünfzehn Zentimeter Änderung sind ohne Zuschnitt möglich.

Bietet ein Jägerzaun Sichtschutz?

Nein. Die gekreuzten Latten lassen große Rautenlücken, auch bei engster Stellung. Er grenzt ab, verdeckt aber nichts.